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Grünwald als Basis für zwei Fußball-WM-Erfolge und zahlreiche Sportlehrer- und Übungsleitergenerationen

Unweit von München und doch unmittelbar im naturhaften Wald bauten der Bayerische Landes-Sportverband (BLSV) und der Bayerische Fußball-Verband (BFV) die Sportschule Grünwald, in der auch die Bayerische Sportakademie ihre neue Heimat fand“, heißt es in der Broschüre zur feierlichen Eröffnung der Anlage. In den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens war die Sportschule, damals als die modernste in der Bundesrepublik konzipiert, richtungsweisend für alle ähnlichen Einrichtungen in Deutschland.

„Ein Brücke vom Ideal zum Leben“

Bereits im BLSV-Gründungsjahr 1947 ging der damalige Vorsitzende Georg Maier mit dem Gedanken an eine Sportschule an die Öffentlichkeit. Am 6. November 1949 fand die Grundsteinlegung statt, schon am 21. Dezember 1949 konnte Richtfest gefeiert werden. Am 10. September 1950 schließlich wurde die im Rekordtempo erstellte Sportschule Grünwald in einem feierlichen Festakt ihrer Bestimmung übergeben. Rund 10.000 Sportler hatten sich an einem Staffellauf durch alle sieben Regierungsbezirke beteiligt.

Wechselvoll war die Vorgeschichte des Parkgrundstücks. Vor 1933 Filmgelände der Emelka, während der nationalsozialistischen Ära SA-Reitschule und nach 1945 beschlagnahmt durch die Amerikaner.

Erster Ehrengast war schon drei Wochen vor der offiziellen Eröffnung der spätere IOC-Präsident Avery Brundage.

Zwei Jahre nach der Eröffnung, im Sommer 1952, gelang es, nach langen, komplizierten Verhandlungen, weitere 6.740 Hektar südliche der Anlage anzukaufen und den zweiten Bauabschnitt zu beginnen.

1961 wurde eine zweite Sporthalle gebaut, 1966 kam eine Schwimmhalle hinzu, im April 1976 wurde eine Tennishalle an der Dr. Max-Straße fertiggestellt. Zigtausende wurden hier im Laufe von mehr als vier Jahrzehnten als Sportlehrer und –übungsleiter aus- und fortgebildet oder bereitete sich auf Wettkämpfe vor.

WM-Mannschaft 1954 in GrünwaldGrünwald 1954

Für alle Fußball-Fans ist der Grünwalder Freizeitpark ein ganz besonderer Ort: Grünwald war die Wiege für den legendären Deutschland-Sieg bei der Fußball-WM 1954. Sepp Herberger trainierte hier die erfolgreiche Elf. Auch 1974 war die DFB-Mannschaft vor dem Finale im Münchner Olympiastadion in Grünwald untergebracht.

 

Das ist nur ein kleiner Einblick in die umfassreiche Sportgeschichte in Grünwald. Wir werden auf dieser Seite immer wieder Höhepunkte der Sporthistorie von Grünwald darstellen: 

 

7. September 1972 - Ein Olympisches Radrennen voller Kuriositäten

Am 7. September 1972 fand im Rahmen der XX. Olympischen Spiele von München, das olympische Straßenrennen der Männer in Grünwald statt. Insgesamt acht Mal mussten die 173 Rennfahrer den 22,8 km langen Rundkurs mit Start/Ziel an der Kreuzung Tölzer/Zugspitzstraße in Grünwald bewältigen. Nach 182,4 km, ca. 1.680 Höhenmetern und einer Fahrzeit von 4:14:37 Stunden konnte sich der Niederländer Hennie Kuiper vor dem Australier Clyde Sefton den Olympiatitel sichern.

Sucht man in der Ergebnisliste allerdings den Gewinner der Bronzemedaille fällt schnell die erste Besonderheit des olympischen Straßenrennens in Grünwald auf. So ist der eigentlich drittplatzierte Spanier Jaime Huélamo aufgrund eines positiven Dopingtests aus dem Ergebnis gestrichen, ohne, dass der viertplatzierte Bruce Biddle aus Kanada nachträglich zum Medaillengewinner erklärt wurde. 

Von der heute gängigen Praxis bei olympischen Spielen, Athleten die durch Dopingvergehen anderer Sportler um ihre Medaillenwürden gebracht werden, nachträglich die verpasste Medaille zuzusprechen, wurde damals abgesehen. Dass gleiche Schicksaal ereilte 1972 auch die belgische Auswahl für das olympische Mannschaftszeitfahren, die nach Disqualifikation der drittplatzierten Niederländer aufgrund einer positiven Dopingprobe, ebenfalls kein nachträgliches Medaillenglück erfuhren.

Der Grund für die leeren Bronzeränge war, dass weder Bruce Biddle, noch die Belgische Zeitfahrmannschaft im Vorfeld der Rennen einen Dopingtest abgegeben hatten. Grundsätzlich wurden bei den Radsportwettbewerben 1972 in München, von den 361 Athleten zwar 93 Sportler getestet, allerdings erfolgte die Auswahl am Abend vorher nach dem Zufallsprinzip. Dieses Prozedere führte dazu, dass die viertplatzierten Belgier aus dem Mannschaftszeitfahren und auch der Holzmedaillengewinner aus Kannada keine Proben abgegeben hatten. Daraus wiederum resultierte die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) die Bronzemedaille nicht an die ungetesteten Sportler zu vergeben.

Neben dem leeren Bronzerang findet sich im olympischen Straßenrennen von 1972 eine weitere Besonderheit. Nach 10 gefahrenen Rennkilometern führte ein Mann, der offiziell gar nicht am Rennen hätte teilnehmen sollen. Der von den TV-Kommentatoren zunächst als „unbekannter Niederländer“ bezeichnete Batty Flynn gehörte einer Gruppe von jungen Iren an, die sich, um für einen gesamtirischen Radsportverband und ein vereintes Irland einzutreten, unerlaubt an die Startlinie des Radrennens gestellt hatten. Nachdem drei der unberechtigten Starter bereits vor dem Startschuss vom Rennen entfernt worden waren, schaffte es Batty Flynn das Rennen für eine kurze Zeit anzuführen.

Was als kuriose Anekdote in die olympischen Geschichtsbücher hätte eingehen können, endete nach einer Schlägerei zwischen dem offiziellen Irischen Starter und den irischen Demonstranten bei der Polizei. Am Ende stand dann kein Unbekannter, sondern mit Hennie Kuiper ein sowohl echter als auch bekannter Niederländer auf dem obersten Treppchen des olympischen Straßenrennens.

(Text: Richard Weinzheimer)

Zum Artikel "Ein Radrennen voller Kuriositäten"

 

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